Die Vorstellung klingt super einfach: Man sitzt zu Hause am Küchentisch, baut Kugelschreiber zusammen und bekommt dafür Geld. Genau mit solchen Versprechen wurde und wird teilweise noch für Heimarbeit geworben.
Doch wer heute nach „Kugelschreiber zusammenbauen Heimarbeit“, „Kugelschreiber montieren von zu Hause“ oder ähnlichen Möglichkeiten sucht, sollte sehr genau hinschauen. Die Verbraucherzentrale führt das Zusammenbauen von Kugelschreibern ausdrücklich als Beispiel für eine Heimarbeitswerbung auf, bei der Vorsicht angebracht ist. Sie nennt dabei als einen Grund, dass solche Tätigkeiten maschinell erledigt werden können.
Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Anzeige automatisch Betrug ist. Es bedeutet aber, dass das Geschäftsmodell als Möglichkeit für einen nennenswerten Nebenverdienst äußerst kritisch betrachtet werden sollte.
Das Prinzip klingt zunächst nach klassischer Heimarbeit.
Ein Anbieter stellt beispielsweise Material zur Verfügung:
Kugelschreiberteile
Minen
Federn
Gehäuse
Kappen
Die Aufgabe besteht anschließend darin, die einzelnen Bestandteile zusammenzusetzen. Für jeden fertig montierten Kugelschreiber soll es eine Vergütung geben.
Auf den ersten Blick wirkt das attraktiv.
Man benötigt vermeintlich:
keine besondere Ausbildung,
keinen Computer,
kein Büro,
keine umfangreiche Berufserfahrung
und kann angeblich von zu Hause arbeiten.
Genau diese Kombination macht solche Angebote interessant.
Doch entscheidend ist eine andere Frage:
Warum sollte ein Unternehmen einen Menschen zu Hause dafür bezahlen, wenn die gleiche Tätigkeit industriell schneller und günstiger durchgeführt werden kann?
Bei einem Geschäftsmodell muss die Rechnung aufgehen.
Nehmen wir ein vereinfachtes Beispiel.
Angenommen, jemand soll fürs Montieren eines Kugelschreibers 10 Cent erhalten.
Bei 100 Kugelschreibern wären das:
100 × 0,10 € = 10 €
Selbst bei 1.000 Kugelschreibern wären es nur:
1.000 × 0,10 € = 100 €
Dafür müsste die Person allerdings tatsächlich 1.000 Stück fertigstellen.
Damit stellt sich die entscheidende Frage:
Wie viele Kugelschreiber kann ein Mensch pro Stunde tatsächlich zusammenbauen?
Und genau hier entsteht das Problem.
Unternehmen können standardisierte Produktionsschritte automatisieren oder in großen Produktionsanlagen sehr effizient durchführen. Die Verbraucherzentrale weist bei ihren Warnhinweisen zu unseriösen Nebenjobangeboten ausdrücklich darauf hin, dass Kugelschreiber zusammengebaut oder Prospekte gefaltet werden sollen, obwohl es dafür längst Maschinen gibt.
Ein weiteres Problem wird häufig übersehen:
Nicht jede Tätigkeit, die man von zu Hause aus erledigen kann, ist automatisch eine gute Verdienstmöglichkeit.
Wenn du beispielsweise fünf Stunden arbeitest und dafür 20 Euro bekommst, entspricht das gerade einmal:
4 € pro Stunde.
Selbst wenn ein Angebot zunächst nach „leicht verdientem Geld“ klingt, muss deshalb immer die tatsächliche Vergütung pro Arbeitsstunde betrachtet werden.
Die Verbraucherzentrale warnt generell vor Nebenjobangeboten, die mit sehr einfacher Heimarbeit und gleichzeitig außergewöhnlich hohen Verdienstmöglichkeiten werben.
Das Interessante ist: Das Problem liegt nicht unbedingt darin, dass die Tätigkeit kompliziert wäre.
Im Gegenteil.
Gerade die Einfachheit macht sie attraktiv.
Die Vorstellung lautet:
Ich brauche keine besonderen Fähigkeiten und kann trotzdem von zu Hause aus Montieren und Geld verdienen.
Das ist psychologisch wesentlich attraktiver als:
Ich muss zunächst eine Fähigkeit erlernen, ein Produkt entwickeln, Kunden gewinnen und Marketing betreiben.. oder eben arbeiten gehen - vor allem, wenn man keine Arbeit findet oder Arbeit will.
Doch beim Geldverdienen gibt es einen wichtigen Zusammenhang:
Je einfacher eine Tätigkeit für nahezu jeden Menschen zugänglich ist, desto größer ist normalerweise auch das Angebot an Menschen, die diese Tätigkeit ausführen können.
Das kann den wirtschaftlichen Wert der einzelnen Arbeitsstunde begrenzen.
Besonders vorsichtig sollte man werden, wenn ein Anbieter zunächst Geld verlangt.
Beispielsweise:
eine Anmeldegebühr,
eine Kaution,
eine „Bearbeitungsgebühr“,
ein Starterpaket,
Materialkosten,
eine Schulung,
Informationsmaterial.
Die Verbraucherzentrale nennt genau solche Forderungen als typische Warnzeichen bei unseriösen Nebenjobangeboten. Sie weist unter anderem darauf hin, dass Interessenten teilweise zunächst kostenpflichtiges Informationsmaterial oder einen Lehrgang erwerben sollen.
Das führt zu einer wichtigen Grundregel:
Bei einer angeblichen Verdienstmöglichkeit sollte man besonders vorsichtig sein, wenn man erst bezahlen muss, um überhaupt anfangen zu dürfen.
Heimarbeit kann selbstverständlich funktionieren.
Es gibt beispielsweise:
Remote-Arbeitsplätze,
Freelancing,
virtuelle Assistenz,
Grafikdesign,
Programmierung,
Texterstellung,
Online-Unterricht,
Beratung,
digitale Dienstleistungen
und den Verkauf digitaler Produkte.
Der entscheidende Unterschied besteht darin, was verkauft wird und welchen Wert die Tätigkeit für den Kunden erzeugt.
Beim Kugelschreiber-Zusammenbauen wird hauptsächlich die Arbeitszeit verkauft.
Bei einem digitalen Produkt kann dagegen einmal Arbeit geleistet und anschließend dasselbe Produkt mehrfach verkauft werden.
Und genau hier beginnt ein völlig anderes Geschäftsmodell.
Digitale Produkte haben einen entscheidenden Vorteil:
Sie müssen nicht für jeden einzelnen Kunden komplett neu produziert werden.
Ein digitales Produkt kann beispielsweise sein:
ein Online-Kurs,
ein E-Book,
ein Videokurs,
eine Vorlage,
ein digitales Workbook,
ein Softwareprodukt,
ein Mitgliederbereich,
ein Coachingprogramm mit digitalen Inhalten.
Nehmen wir als Beispiel einen Online-Kurs für 200 Euro.
Angenommen, jemand entwickelt einen Kurs zum Thema:
„Online mit digitalen Produkten ein eigenes Nebeneinkommen aufbauen“
Der Kurs kostet 200 Euro.
Verkauft der Anbieter:
|
Verkäufe |
Umsatz |
|---|---|
|
1 |
200 € |
|
5 |
1.000 € |
|
10 |
2.000 € |
|
20 |
4.000 € |
|
50 |
10.000 € |
Das ist zunächst Umsatz, nicht Gewinn. Davon können beispielsweise Kosten für Werbung, Zahlungsanbieter, Software, Steuern, Rückerstattungen und andere Geschäftsausgaben abgehen.
Der entscheidende Unterschied zur Kugelschreiber-Montage ist jedoch:
Der Kurs muss nicht für jeden Käufer vollständig neu produziert werden.
Ein hoher Preis allein macht noch kein gutes digitales Produkt.
Ein Kurs für 200 Euro muss einen nachvollziehbaren Mehrwert bieten.
Beispielsweise könnte ein solcher Kurs enthalten:
Der Käufer lernt, wie er eine konkrete Zielgruppe identifiziert und ein Problem findet, für das Menschen tatsächlich eine Lösung suchen.
Hier könnte gezeigt werden, wie beispielsweise ein Videokurs, Workbook oder eine Vorlagensammlung entwickelt wird.
Der Käufer lernt, wie eine Verkaufsseite aufgebaut wird und welche Informationen potenzielle Kunden benötigen.
Hier könnten beispielsweise Content-Marketing, Social Media, Suchmaschinenoptimierung oder bezahlte Werbung behandelt werden.
Der Kurs könnte zeigen, wie Interessenten vom ersten Kontakt bis zum Kauf geführt werden.
Damit verkauft der Anbieter nicht einfach „20 Videos“.
Er verkauft eine strukturierte Lösung für ein konkretes Problem.
Beim Kugelschreiber-Zusammenbauen sieht das Prinzip vereinfacht so aus:
Zeit → Arbeit → fertiger Kugelschreiber → kleine Vergütung
Beim digitalen Produkt kann das Modell dagegen so aussehen:
Wissen/Arbeit → digitales Produkt → Marketing → mehrere Verkäufe
Das bedeutet nicht, dass digitale Produkte automatisch leicht zu verkaufen sind.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Viele Menschen unterschätzen gerade den zweiten Teil:
Ein digitales Produkt zu erstellen ist nicht dasselbe wie es erfolgreich zu verkaufen.
Ein Online-Kurs kann einmal erstellt werden.
Aber danach muss der Anbieter trotzdem Kunden erreichen.
Dafür benötigt er beispielsweise:
eine Zielgruppe,
ein konkretes Problem,
ein überzeugendes Angebot,
Reichweite,
Marketing,
Vertrauen,
eine Verkaufsseite,
einen Zahlungsprozess
und einen guten Kundenservice.
Ein 200-Euro-Kurs, den niemand kennt, bringt selbstverständlich auch keinen Umsatz.
Deshalb sollte man bei Aussagen wie „Erstelle einfach einen Online-Kurs und verdiene damit passives Einkommen“ ebenfalls kritisch bleiben.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Skalierbarkeit.
Bei klassischer Arbeit gilt häufig:
Mehr Einkommen = mehr Arbeitsstunden.
Bei einem digitalen Produkt kann das Verhältnis anders aussehen.
Ein Beispiel:
Du erstellst einen Online-Kurs für 200 Euro.
Ein Kunde kauft ihn.
Danach kauft ein zweiter Kunde denselben Kurs.
Danach ein dritter.
Die zusätzlichen Produktionskosten pro Verkauf können im Vergleich zu einem physischen Produkt relativ gering sein. Trotzdem entstehen natürlich weiterhin Kosten für Zahlungsabwicklung, Plattformen, Support, Werbung und gegebenenfalls Steuern.
Das macht digitale Produkte für Online-Unternehmer interessant.
Der entscheidende Wandel besteht deshalb nicht einfach darin, „online statt offline“ zu arbeiten.
Es geht um eine andere Art der Wertschöpfung.
Beim Kugelschreiber-Zusammenbauen wird eine einfache manuelle Tätigkeit vergütet.
Beim Verkauf eines digitalen Produkts wird dagegen beispielsweise folgendes miteinander kombiniert:
Problem → Wissen → Lösung → Produkt → Marketing → Verkauf
Das kann deutlich anspruchsvoller sein.
Dafür kann das Produkt anschließend mehrfach verkauft werden.
Stell dir einen Anbieter vor, der sich auf Menschen konzentriert, die ein eigenes Online-Business aufbauen möchten.
Er entwickelt einen Kurs:
Preis:
200 €
Der Kurs beinhaltet beispielsweise:
30 Videolektionen
Workbook
Produktideen
Vorlagen
Verkaufsseiten-Beispiele
Marketing-Anleitungen
Checklisten
Bonusmaterial
Nun erstellt der Anbieter eine Website und produziert regelmäßig kostenlose Inhalte zu Themen wie:
„Welche digitalen Produkte kann man verkaufen?“
„Wie erstellt man einen Online-Kurs?“
„Wie findet man eine profitable Nische?“
„Wie verkauft man ein digitales Produkt?“
Ein Teil der Interessenten gelangt anschließend zur Verkaufsseite.
Wenn beispielsweise 1.000 interessierte Personen auf die Verkaufsseite gelangen und 10 davon den Kurs für 200 Euro kaufen, entstehen:
10 × 200 € = 2.000 € Umsatz.
Das Beispiel garantiert natürlich keine bestimmte Conversion Rate oder einen bestimmten Gewinn. Es zeigt lediglich die Funktionsweise des Modells.
Das klassische Versprechen „Kugelschreiber zu Hause zusammenbauen und damit einfach Geld verdienen“ sollte man heute sehr kritisch betrachten.
Die Verbraucherzentrale führt gerade das Kugelschreiber-Zusammenbauen als Beispiel in ihren Warnhinweisen zu unseriösen Heimarbeitsangeboten auf und weist darauf hin, dass solche Tätigkeiten maschinell erledigt werden können.
Wer heutzutage von zu Hause aus Geld verdienen möchte, muss deshalb nicht nach möglichst einfachen manuellen Tätigkeiten suchen.
Interessanter kann es sein, eine wertvolle Fähigkeit oder ein konkretes Wissen in ein digitales Produkt zu verwandeln.
Ein Online-Kurs für 200 Euro ist dafür nur ein Beispiel.
Der große Unterschied lautet:
Kugelschreiber zusammenbauen bedeutet hauptsächlich, Arbeitszeit gegen eine Vergütung einzutauschen.
Ein digitales Produkt bedeutet, eine Lösung einmal zu entwickeln und sie anschließend mehrfach anbieten zu können.
Das macht digitale Produkte allerdings nicht automatisch zu leichtem oder passivem Einkommen. Entscheidend bleiben ein echter Kundennutzen, ein funktionierendes Marketing und die Fähigkeit, tatsächlich Käufer zu erreichen.
ÜBER DEN AUTOR

Sascha Hönisch
Sascha ist Blogger und Experte für das Thema "Online Geld verdienen durch "Cloudselling". Auf diesem Blog gibt er dir seine Erfahrungen und wichtigsten Learnings mit auf den Weg! Hier erfährst du, wie auch du mit digitalen Produkten online Geld verdienen kannst.