Die Geschichte von Danny Adams (ein Online Marketer wie Gunnar Kessler) ist außergewöhnlich. Seine Erfahrungen mit Drogen, psychischen Krisen und schwierigen Lebensphasen und sein späterer Weg zu großem geschäftlichem Erfolg können auf viele Menschen beeindruckend und inspirierend wirken.
Gerade deshalb ist es wichtig, genauer hinzusehen.
Denn eine außergewöhnliche persönliche Geschichte ist nicht automatisch ein typischer Verlauf. Die Erfahrungen von Danny Adams können zeigen, dass ein Mensch sich verändern und nach schweren Krisen ein neues Leben aufbauen kann. Sie beweisen aber nicht, dass die meisten Menschen mit Drogenproblemen, Psychosen oder schweren psychischen Erkrankungen denselben Weg gehen können oder werden.
Wenn man sich die Erfahrungen von Danny Adams anschaut, entsteht schnell eine spektakuläre Geschichte:
Ein Mensch erlebt schwere persönliche Krisen, hat mit Drogen und psychischen Problemen zu kämpfen und schafft es später, sich ein erfolgreiches Leben und sogar ein großes Unternehmen aufzubauen.
Das ist zweifellos eine bemerkenswerte Entwicklung.
Aber genau der außergewöhnliche Charakter dieser Geschichte sollte nicht übersehen werden.
Der Weg von einer schweren Drogenproblematik oder psychischen Krise zu einem erfolgreichen Millionenbusiness ist kein normaler oder automatischer Verlauf.
Viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen brauchen zunächst Jahre, um überhaupt wieder Stabilität zu erreichen.
Für manche bedeutet Genesung:
wieder regelmäßig schlafen zu können,
den Drogenkonsum zu beenden,
Rückfälle zu vermeiden,
eine Wohnung zu behalten,
eine Therapie durchzuhalten,
Medikamente regelmäßig einzunehmen,
wieder Vertrauen zu Familie und Freunden aufzubauen,
oder einen geregelten Alltag zu entwickeln.
Das sind oft große persönliche Erfolge.
Nur werden sie nicht so spektakulär erzählt wie die Geschichte einer Person, die später ein Unternehmen aufbaut und finanziell sehr erfolgreich wird.
Die Erfahrungen von Danny Adams können real und beeindruckend sein.
Aber aus einer einzelnen Biografie kann man nicht ableiten, dass jeder Mensch mit einer ähnlichen Vergangenheit denselben Weg gehen kann.
Das wäre ungefähr so, als würde man sagen:
„Danny Adams hat es geschafft. Also kann es jeder schaffen.“
Das klingt motivierend, ist aber eine sehr starke Vereinfachung.
Menschen haben unterschiedliche Voraussetzungen.
Sie unterscheiden sich unter anderem in:
ihrer genetischen Veranlagung,
der Art und Schwere ihrer psychischen Erkrankung,
der Dauer ihres Drogenkonsums,
ihrer körperlichen Gesundheit,
ihrem sozialen Umfeld,
ihrer finanziellen Situation,
ihrer familiären Unterstützung,
ihrem Zugang zu Behandlung,
ihrer Bildung,
ihren beruflichen Fähigkeiten,
und ihren persönlichen Lebensumständen.
Die Erfahrungen von Danny Adams sind deshalb seine individuellen Erfahrungen.
Sie können anderen Menschen Hoffnung geben.
Aber sie sind kein Beweis dafür, dass alle Menschen unter ähnlichen Bedingungen automatisch denselben Ausgang erreichen.
Ein wichtiger Grund, warum solche Geschichten oft falsch interpretiert werden, ist der sogenannte Survivorship Bias, auf Deutsch häufig „Überlebendenfehler“ genannt.
Die besonders erfolgreichen Fälle werden sichtbar.
Die vielen weniger spektakulären Fälle bleiben dagegen unsichtbar.
Die Geschichte von Danny Adams wird erzählt, weil sie außergewöhnlich ist.
Aber wie viele Menschen mit ähnlichen Problemen haben nie ein Millionenunternehmen aufgebaut?
Wie viele kämpfen noch immer mit Rückfällen?
Wie viele benötigen langfristig medizinische oder therapeutische Unterstützung?
Wie viele haben ihre Sucht zwar überwunden, führen danach aber einfach ein normales, finanziell durchschnittliches Leben?
Wie viele schaffen es, ein stabiles Leben aufzubauen, ohne jemals öffentlich darüber zu sprechen?
Diese Erfahrungen sehen wir deutlich seltener.
Das führt zu einer verzerrten Wahrnehmung.
Man sieht die eine spektakuläre Erfolgsgeschichte und vergisst die große Zahl anderer Verläufe.
Das bedeutet nicht, dass die Erfahrungen von Danny Adams unwichtig sind.
Es bedeutet nur, dass man sie richtig einordnen muss.
Ein weiterer Fehler besteht darin, Genesung direkt mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden.
Wenn jemand eine Drogenabhängigkeit überwindet und anschließend ein Millionenunternehmen aufbaut, wirkt die Geschichte besonders spektakulär.
Aber wirtschaftlicher Erfolg ist nicht dasselbe wie psychische Genesung.
Ein Mensch kann vollständig genesen, ohne reich zu werden.
Er kann ein ruhiges Leben führen.
Er kann eine normale Arbeit haben.
Er kann eine Familie gründen.
Er kann seine Wohnung behalten.
Er kann wieder soziale Beziehungen aufbauen.
Er kann lernen, mit seiner Vergangenheit zu leben.
All das sind echte Erfolge.
Nicht jeder Mensch, der seine Sucht überwindet, wird Unternehmer.
Nicht jeder Mensch, der eine Psychose erlebt hat, wird später Millionär.
Und das bedeutet nicht, dass diese Menschen gescheitert sind.
Die Vorstellung, dass ein Mensch erst dann wirklich „es geschafft“ hat, wenn er ein Millionenbusiness aufgebaut hat, ist selbst problematisch.
Wenn die Erfahrungen von Danny Adams als Beispiel genannt werden, hört man manchmal eine weitere Schlussfolgerung:
„Er hat es allein geschafft.“
Doch was bedeutet „allein“ überhaupt?
Ein Mensch kann sich subjektiv allein aus einer Krise herausgekämpft fühlen und trotzdem von vielen Faktoren profitiert haben.
Vielleicht gab es Menschen, die ihn unterstützt haben.
Vielleicht hatte er Zugang zu einer Unterkunft.
Vielleicht hatte er Möglichkeiten, die andere nicht haben.
Vielleicht verfügte er über besondere Fähigkeiten.
Vielleicht hatte er bestimmte geschäftliche Chancen.
Vielleicht hatte er eine außergewöhnliche Belastbarkeit.
Vielleicht waren die Umstände zu einem bestimmten Zeitpunkt günstig.
Das bedeutet nicht, dass seine eigene Leistung dadurch kleiner wird.
Im Gegenteil.
Ein Mensch kann für seine Veränderung sehr viel selbst geleistet haben und trotzdem von äußeren Umständen profitiert haben.
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Das Problem entsteht erst dann, wenn man aus einer individuellen Erfahrung eine allgemeine Botschaft macht:
„Wenn Danny Adams es geschafft hat, muss es jeder schaffen können.“
Diese Schlussfolgerung ist nicht gerechtfertigt.
Besonders kritisch wird es, wenn die Erfahrungen von Danny Adams dazu benutzt werden, psychische Erkrankungen ausschließlich als eine Frage der persönlichen Willenskraft darzustellen.
Die Botschaft „Du musst dich nur genug anstrengen“ kann für manche Menschen motivierend wirken.
Für andere kann sie jedoch zerstörerisch sein.
Denn was passiert, wenn jemand sich extrem bemüht und trotzdem krank bleibt?
Was passiert, wenn eine Person trotz Therapie einen Rückfall erlebt?
Was passiert, wenn Medikamente notwendig sind?
Was passiert, wenn eine Psychose wiederkehrt?
Was passiert, wenn jemand seine Sucht überwunden hat, aber trotzdem langfristig Schwierigkeiten im Alltag hat?
Eine einfache Willenskraft-Erklärung kann dazu führen, dass Betroffene sich selbst die Schuld geben.
Sie denken möglicherweise:
„Wenn ich es nicht schaffe, bin ich einfach nicht stark genug.“
Aber psychische Erkrankungen funktionieren nicht so einfach.
Ein Mensch kann sehr motiviert sein und trotzdem krank bleiben.
Ein Mensch kann große Fortschritte machen und trotzdem Rückfälle erleben.
Ein Mensch kann sich sehr anstrengen und trotzdem Unterstützung benötigen.
Das ist keine Charakterschwäche.
Die richtige Schlussfolgerung aus der Geschichte von Danny Adams ist deshalb nicht:
„Jeder kann aus einer schweren psychischen Erkrankung oder Drogenabhängigkeit direkt zum Millionär werden.“
Die richtige Schlussfolgerung wäre eher:
„Eine schwere Vergangenheit muss nicht zwangsläufig das gesamte Leben bestimmen. Veränderung ist möglich. Aber der Weg jedes Menschen ist individuell.“
Diese Botschaft ist realistischer und gleichzeitig nicht weniger hoffnungsvoll.
Man kann sagen:
„Danny Adams hat außergewöhnliche Erfahrungen gemacht und einen außergewöhnlichen Weg genommen.“
Ohne daraus zu machen:
„Jeder Mensch mit ähnlichen Problemen kann denselben Weg nehmen.“
Man kann sagen:
„Seine Geschichte zeigt, dass ein Neuanfang möglich sein kann.“
Ohne zu behaupten:
„Ein Neuanfang muss automatisch in Reichtum und einem Millionenbusiness enden.“
Die Gesellschaft feiert häufig die spektakulärsten Geschichten.
Ein Mensch, der aus einer schweren Krise kommt und später ein Unternehmen im Millionenbereich aufbaut, bekommt Aufmerksamkeit.
Ein Mensch, der zehn Jahre lang stabil bleibt, nicht rückfällig wird und ein ruhiges, normales Leben führt, bekommt meistens keine Schlagzeilen.
Dabei kann dieser zweite Weg genauso viel Mut und Ausdauer erfordern.
Vielleicht ist der größte Erfolg für eine Person:
einen weiteren Tag nüchtern zu bleiben,
wieder Vertrauen zu lernen,
eine Behandlung anzunehmen,
eine Krise zu überstehen,
nicht aufzugeben,
eine Wohnung zu behalten,
wieder arbeiten zu können,
oder einfach ein stabiles Leben aufzubauen.
Das sind Erfahrungen, die häufig weniger sichtbar sind.
Aber sie sind nicht weniger wertvoll.
Die Erfahrungen von Danny Adams können inspirierend sein.
Sie können zeigen, dass Menschen sich verändern können.
Sie können Hoffnung geben.
Sie können beweisen, dass eine schwierige Vergangenheit nicht zwangsläufig die gesamte Zukunft bestimmen muss.
Aber sie sollten nicht als Beweis dafür verwendet werden, dass alle Menschen mit Drogenproblemen, Psychosen oder schweren psychischen Erkrankungen denselben Weg gehen können.
Eine außergewöhnliche Biografie ist kein Durchschnitt.
Der Weg von schwerer Sucht oder psychischer Krise zu einem Millionenbusiness ist möglich, aber außergewöhnlich.
Viele andere Menschen gehen einen längeren, schwierigeren oder weniger spektakulären Weg.
Manche benötigen langfristige Unterstützung.
Manche erleben Rückfälle.
Manche schaffen es, ihre Sucht zu überwinden, ohne finanziell reich zu werden.
Manche bauen ein stabiles, normales Leben auf.
Und auch das ist Erfolg.
Die Geschichte von Danny Adams sollte deshalb nicht als Versprechen verstanden werden:
„Wenn du nur stark genug bist, kannst du alles schaffen.“
Die realistischere Botschaft lautet:
„Auch nach schweren Krisen kann ein neues Leben möglich sein. Aber die Erfahrungen jedes Menschen sind unterschiedlich, und eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte darf nicht zum Maßstab für alle anderen gemacht werden.“
Danny Adams ist deshalb nicht deshalb interessant, weil sein Weg für alle normal wäre.
Er ist interessant, weil sein Weg außergewöhnlich ist.
Und gerade weil er außergewöhnlich ist, sollte man ihn nicht mit dem typischen Verlauf von Menschen mit Sucht- oder psychischen Erkrankungen verwechseln.